ANOTHER CHINA


Yunnan in China

Yunnan liegt am Rande des „Reichs der Mitte“, angrenzend an Vietnam, Laos, Myanmar und Tibet und weit entfernt von den Zentren der Macht. Das hat Vor- und Nachteile. Schon zu Kaiserzeiten wurden unliebsam gewordene Beamte dorthin versetzt. Andererseits ist die Präsenz der Regierung in Peking nur mittelbar zu spüren. Vieles ist anders in Yunnan, entspricht nicht den gängigen Klischees von China: Man trifft auf freundliche, offene Menschen, ethnische Minderheiten oft, die selbst Außenseiter neben den vielen Han-Chinesen sind, die an stillen, sauberen Orten leben, in kleinen Dörfern in dünn besiedelten fruchtbaren Tälern, in denen jeder Quadratmeter Boden durch Landwirtschaft genutzt wird.



Die Landschaft Yunnans ist geprägt durch vier der größten Flüsse Asiens, die sich im Laufe von Jahrmillionen in die Landschaft geschnitten haben und ihr ein faszinierendes Bild aufgeprägt haben (Mekong, Yangtze, der Rote Fluss und der Salwen). Die Täler sind oft mehrere 1000 Meter tief eingeschnitten und von bis zu drei Klimazonen bestimmt. So kann man im Tal Pfirsiche und Bananen wachsen sehen, auf mittlerer Höhe Apfelbäume und auf dem Bergkamm Krüppelkiefern. Eine Busreise kann zum Abenteuer werden, eine Distance von 50 oder 100 km ist teilweise nur in vielen Stunden Serpentinenfahrt zu überwinden. Inzwischen sind die Hauptstraßen in weiten Teilen gut ausgebaut, aber vor den Gewalten der Natur ist der Mensch machtlos, denn die Straßen können immer wieder von Erdrutschen und Steinschlägen blockiert werden.

Yunnan gilt als die schönste chinesische Provinz, viele Menschen behaupten, wer sie einmal kennen gelernt hat, verliebt sich in sie und kehrt wieder, und dies ist nicht nur ein Tourismusslogan. Durch 28 ethnische Minderheiten in völlig unterschiedlichen Ausprägungen geformt, kann man neben der berauschenden Landschaft viel spezifisch Kulturelles entdecken. Dies hat auch die chinesische Regierung begriffen und fördert nach den Verlusten der Kulturrevolution die kulturellen Besonderheiten wieder. Da sind im Süden der Provinz die Dai, deren Kultur sehr stark an die Nordthailands erinnert. Riesige Reisterrassenlandschaften beeindrucken den Besucher, oder auch ein Patchwork an kleinen Feldern mit unterschiedlichen Feldfrüchten entlang der Hänge der dort oft lieblichen Hügel. Auch Tee- und Tabakanbau in großem Stil sieht man dort immer wieder. Weiter nördlich streift man Kunming, die Provinzhauptstadt, eine sehr urbane Universitätsstadt, in der auch viele westliche Ausländer die chinesische Sprache erlernen. Der Steinwald nahe der Stadt ist eine bekannte touristische Attraktion.

Die Städte Dali und Lijiang sind weitere Touristenmagneten, vor allem Lijiang mit seiner original erhaltenen Altstadt gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe und wird Venedig Südostchinas genannt. Ganz in der Nähe dieser Stadt lebte der Forscher und Abendeuer Josef Rock, dem wir das umfassendste Werk über die einzige noch praktizierte Bildschrift der Naxi, einer der zahlenmäßig größten Ethnien der Gegend, verdanken. Das Zusammentreffen mit James Hilton und die begeisterten, bildhaften Schilderungen Josef Rocks gaben dem Schriftsteller den Anstoß zum Roman „Der verlorene Horizont“, in dem er den Ort Shangri-La, einen versteckten Ort der Glückseligkeit und des Friedens, beschrieb.

Dieses Shangri-La, welches es in Wirklichkeit nie gab, wurde von der chinesischen Regierung nacheinander mehreren Orten zugesprochen. Diese Frage scheint sich aber inzwischen entschieden zu haben, Zhongdian, im Norden der Provinz und schon im Bereich der alten tibetischen Grenzen (vor der Annektierung) liegend, ist eine boomende Kleinstadt, die immer mehr zum Touristenzentrum ausgebaut wird. Fährt man von dort aus weiter nach Norden, erreicht man kurz vor der heutigen tibetischen Grenze das Meili Schneegebirge mit dem höchsten Berg der Provinz mit über 6700m, dem Meili, der zu den heiligen Pilgerstätten der Tibeter gehört. Er ist Teil des Hengduan Gebirges, welches zu den blumen- und artenreichsten Gebieten der Erde gezählt wird.

Man glaubt es kaum, aber diese abgelegenen, von der Welt fast vergessenen Gebiete im Yunnan haben die Kulturlandschaften Europas entschieden geprägt: neben vielen Nutzhölzern und Früchten (Pfirsich, Aprikose,, Orange, Birne, Pflaume, Johannisbeere) kamen viele der heute das Gartenbild Europas prägenden Pflanzen aus Yunnan und den umliegenden Provinzen, u.a. Forsythien, Lilien, Primeln, Iris, Flieder, Rhododendren und Azaleen, Pfingstrosen, Anemonen und auch Unkräuter wie der Sauerklee. Der englische Botaniker Ernest H. Wilson brachte vor ca, 100 Jahren hunderte von Arten nach Europa und Amerika und trug damit schon sehr früh zur Globalisierung der Welt bei.



Yunnan Province

Yunnan is located on the outskirts of the "Middle Kingdom", bordering Vietnam, Laos, Myanmar and Tibet, and far from the centers of power. In Yunnan there is a saying, "The mountains are high and the emperor is far away." This has advantages and disadvantages.

Nonetheless, the presence of the government in Beijing only can be felt indirectly. Yunnan avoids some of the usual cliches of China: There is very little industry and pollution, one meets meet friendly, relaxed people, ethnic minorities, and outsiders separated from the mainstream Han Chinese, living in quiet, clean places, in small villages in sparsely populated fertile valleys, in which each square meter is used by agriculture.

Yunnan's landscape is dominated by four of Asia's largest rivers (Mekong, Yangtze, the Red River and the Salween), which evolved over millions of years into the landscape, and cutting a fascinating picture into the landscape and culture.

These river valleys are often thousands of meters deep, and have multiple climatic zones according to altitude and exposure. So, you can see peaches and bananas are growing in the valley, apple trees on medium height and Krüppelkiefern on the mountain ridge .

A bus trip can be an adventure, going to the next valley can take all day as the roads twist dramatically through the mountains. here one gets the feeling that against the forces of nature the human being is powerless, as the roads literally fall off the mountainside during the rainy season.

Yunnan is considered the most beautiful Chinese province. The many people who have fallen in love with her and returned again prove this is not just a tourist slogan. With 26 ethnic minorities, there is also a breadth of specific cultural discovery embedded in the intoxicating landscape. In the south of Yunnan, the Dai people's culture still shows their roots in northern Thailand. Huge rice terraced landscapes and patchworks of small fields with different crops terraced into the slopes impress the visitors. Tea, coffee, tobacco, and fruits are cultivated on a large scale. Further north brings brings one to the provincial capital of Kunming, an urban university town in which many Western students favor for Chinese language study. The karst limestone formations of the Stone Forest near Kunming is a popular tourist attraction.

In Northwestern Yunnan the cities of Dali and Lijiang are other tourist magnets, especially Lijiang, which was inscribed as a UNESCO World Cultural Heritage site in 1996 after a devastating earthquake. The explorers, botanist, and linguist Joseph Rock lived in Lijiang in the 1920'2-1940's, where he completed the first dictionary of the fully pictographic Naxi Dongba language, the only pictographic language still alive today. Joseph Rock's photographs and reports on wild northwest Yunnan for National Geographic, and James Hilton's novel "Lost Horizon", describing the contented and timeless Himalayan valley of Shangri-La opened Yunnan to western imaginations and fantasies.

Eventually, the culturally Tibetan town of Zhongdian, near Lijiang, secured the official name Shangri-La from the Chinese government. Shangri-La, which before the 1950's was in Tibetan territory, is now a booming town, more and more a tourist center. Going from Shangri-La further north, one arrives at the present Tibetan border and the highest mountain in Yunnan at 6740 meters, Meili Snow Mountain, a holy pilgrimage sites of the Tibetans. This whole region of northwest Yunnan is part of the Hengduan Mountains, which is considered the most biodiverse temperate ecosystem in the world.

The floral diversity here, via the vast quantities of plant samples sent from here to Europe and America by Rock and English botanist Ernest H. Wilson n the early 20th century, is the source of the modern European garden. Many plants considered staple of European horticulture including forsythia, lily, primrose, iris, lilac, rhododendron, azalea, peony, anemone, and weeds such as sorrel have their genetic origins in Yunnan. This is a somewhat concentrated chapter in the early stages of globalization.